Sebastian Hennig / Autor, Verleger, Dresden 2014

Reisenotizen aus Transdanubien

Keine Gewissheiten zu haben, dass heißt nicht dem Ort selbst jede Gewissheit abzusprechen. Kaleidoskopisch oder kristallin scheint das Land hinter dem Fluß in Abrahams Lichtbildern auf. Erscheinungen fächern sich auseinander oder schimmern durch sich selbst hindurch. Die Geflechte des noch weitgehend oberirdisch verlaufenden Leitungsnetzes und die Baumkronen vervielfachen sich in Reihen mit den gekalkten Bauernhäusern, den bekuppelten Türmen und Fensterbögen von Palästen und Kirchen. Bäume werden Skulpturen und Statuen zu Baumnymphen. Ein verwischender Lichtpinsel trägt Schatten ein und schlägt lichte Schneisen in eine vermeintliche Wirklichkeit.

Die Trostlosigkeit des Horizonts vergeht mit der Erschütterung des Standpunkts. Er beginnt zu schwimmen, zerfasert oder biegt sich. Das Gran Eigenwürze erst, das die musische Betrachtung der Welt von der Inventur unterscheidet, schenkt den Erscheinungen die Kraft der Dauer.

Wer anschaut, der gewinnt dazu.
Wer überzählt, der wird verlieren.

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