Matthias Zwarg / Journalist, Autor, Verleger, Döbeln 2025
Aus einer Textcollage Zu den Fotos von Sven Abraham Sven Abrahams Fotos erscheinen wie die Dokumente der Suche – nicht der Gewissheit. Dafür sprechen die Serien, Sequenzen, Mehrfachbelichtungen, Überlagerungen, Schichten – wobei nie eine Schicht die andere, vorige auslöscht, sondern die eine in die andere eingeht, sich mit ihr verbindet oder sich von ihr distanziert – eben die Ordnung der Gewohnheiten und Gewissheiten in Frage stellt. Diese Fotos sind Denkanstöße – ohne dass sie die Gedanken in eine einzige Richtung drängen, wie das heute oft praktiziert wird – ohne dass sie Denkverbote erteilen und eine Diskussion ausschließen. Diese Fotos fügen sich ein in eine weltweit gerade erst beginnende Diskussion darüber, wie Menschen zu den Menschen werden konnten, die sie heute sind, wie Landschaften zu den Landschaften geworden sind, in denen wir heute – noch, muss man angesichts fortschreitender Umweltzerstörung sagen – leben. Und die so darauf verweisen, dass es auch andere Möglichkeiten gegeben hätte und gibt, als dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Ideen, wie sie etwa der leider viel zu jung gestorbene US-amerikanische Anthropologe und Anarchist David Graeber vertreten hat, der die Ursprünge einer humanistischen Aufklärung nicht bei den Heroen westlicher Philosophie fand, sondern bei den indigenen Völkern und den Ausgestoßenen der Gesellschaft oder denen, die sich selbst zu Außenseitern machten, und deren Vermächtnis nicht nur unter den Kirchen Roms und Brandenburgs begraben wurde. Und neben allem, was sie noch sind, sind diese auch Fotos auch wunderbare Kleinode der Kunst. Geschickt organisierte oder auch desorganisierte Bilder, mit dem Blick auf die und dem Wissen um eine reiche Fotografiegeschichte entstandene Fotos, die die Tradition von Man Ray, Laszlo Moholy-Nagy, Josef Sudek, Ansel Adams und Michael Kenna fortsetzen. Fotos, die spielerisch und phantasiereich der Idee des Widerspruchs, dem Zufall, der Absurdität und dem Infragestellen konventioneller Werte und ihrer Reproduktion Raum geben und damit gleichzeitig einen ganz neuen poetischen Raum schaffen.
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