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Einen Künstler, der so frei wie Sven Abraham arbeitet, zu entziffern, heißt auch, sich selbst in die Betrachtung von Bildern zu vertiefen, die mit ihrer
Schönheit und Poesie stark berühren. Mit der Technik der Langzeit- und Mehrfachbelichtung dekonstruiert und konstruiert er eine andere Wirklichkeit.
Auf den ersten Blick wirken die Bilder sehr chaotisch und unruhig, erst bei näherer Betrachtung, erschließen sich Struktur und Ordnung auf einer höheren Ebene.

Atma Natalia Stech / Fotokünstlerin, Wien 2014

Reisenotizen aus Transdanubien
Keine Gewissheiten zu haben, dass heißt nicht dem Ort selbst jede Gewissheit abzusprechen. Kaleidoskopisch oder kristallin scheint das Land hinter dem Fluß in Abrahams Lichtbildern auf. Erscheinungen fächern sich auseinander oder schimmern durch sich selbst hindurch. Die Geflechte des noch weitgehend oberirdisch verlaufenden Leitungsnetzes und die Baumkronen vervielfachen sich in Reihen mit den gekalkten Bauernhäusern, den bekuppelten Türmen und Fensterbögen von Palästen und Kirchen. Bäume werden Skulpturen und Statuen zu Baumnymphen. Ein verwischender Lichtpinsel trägt Schatten ein und schlägt lichte Schneisen in eine vermeintliche Wirklichkeit. Die Trostlosigkeit des Horizonts vergeht mit der Erschütterung des Standpunkts. Er beginnt zu schwimmen, zerfasert oder biegt sich. Das Gran Eigenwürze erst, das die musische Betrachtung der Welt von der Inventur unterscheidet, schenkt den Erscheinungen die Kraft der Dauer. Wer anschaut, der gewinnt dazu. Wer überzählt, der wird verlieren.
Sebastian Hennig / Autor, Verleger, Dresden 2014

Der in Zittau geborene Fotograf Sven Abraham vertritt eine vollkommen andere fotografische Auffassung. Bei ihm ist das Foto mit dem Betätigen des Auslösers in der Regel noch längst nicht getan. In der Dunkelkammer beginnt für ihn ein weiterer, experimenteller Arbeitsprozess, bei dem er dann seine „Lichtbilder“ als autonome Werke kreiert. Dabei bediente er sich aller verfügbaren Tricks und Techniken, auch unorthodoxer Arbeitsweisen, um die von ihm beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Dies ist ein mühseliger Weg, der auch von viel Makulatur begleitet ist. Bei den Fotos der Serie „Metropolis“ bedient sich Sven Abraham der sogenannten Sandwichmontage, d.h. er legt mehrere Negative übereinander. Das dezente Farbspiel wird ebenfalls in der Dunkelkammer mit Hilfe spezieller Rezepturen oder durch partielle Ausbleichungen erzeugt. Die Kombination von Aktdarstellungen und Maschinenteilen, wie Zahnrädern, bewirkt ein kontrastreiches Wechselspiel der Emotionen. Mit einer speziellen Panoramakamera entstanden die langgestreckten Panoramalandschaften, welche auf Mehrfachbelichtungen beruhen. Sie bilden eben nicht einen bestimmten Ort in seiner topografischen Wiedererkennbarkeit ab. Die Überlagerungen von Strukturen und Linien sorgen für eine ganz gezielte Betonung bestimmter Elemente, beeinflussen die Aussage des Bildes entscheidend. Die Bilder wirken stark rhythmisiert, zum Teil geradezu schwingend, so als würde das Auge umherschweifen. Sven Abraham betrachtet diese Fotos, die in der ungarischen Heimat seiner Mutter entstand, auch als eine Art Reisenotizen. Die als Zyklus angelegte Serie wird während der jährlichen Reisen immer wieder fortgeschrieben. Auf diese Weise entsteht ein Fotoessay voller Poesie, der eine ganz persönliche Beschreibung dieser Landschaft demonstriert. Sven Abrahams Fotos sind in die Richtung der subjektiven Fotografie einzuordnen, eine Richtung deren Wurzeln im Neuen Sehen des Bauhauses zu finden sind und die seit Anfang der 50er Jahre in Westdeutschland vor allem mit der Person von Otto Steinert verbunden ist. Im Gegensatz zur rein dokumentarischen Fotografie – und lange galt die Fotografie ja als Garant für Objektivität – betonte sie die persönliche Sichtweise des Fotografen und den eindeutigen ästhetischen Standpunkt zu Wesen und Form. Dabei ging es um alle Bereiche persönlichen Fotogestaltens – vom ungegenständlichen Fotogramm bis zur psychologisch vertieften und bildmäßig geformten Reportage. Durch die Fokussierung auf das Imaginäre und Subjektive gelangte die Fotografie zu einem künstlerischen Status, weit entfernt von aller Realitätsnähe und Objektivität früherer Zeit.
Alexander Stoll / Kustos der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz, 2011

Seit 1989 sind seine Fotografien regelmäßig in regionalen aber auch überregionalen Ausstellungen, wie beispielsweise 1994 im österreichischen Linz in der Galerie „Alte Welt“, zu sehen. Drei Jahre später erhielt er den 1. Preis beim 97. Fotosalon der TU Dresden. Außerdem wurden seine Fotografien in die Sammlung des Hauses aufgenommen, was natürlich eine besondere Anerkennung seiner Kunst darstellt. Das Repertoire seiner Bildinhalte erstreckt sich von Porträt-, Landschafts-, Architekturfotografie über Fotoessay bis hin zur experimentellen Fotografie. Im Rahmen dieser Ausstellung sind seine jüngsten Arbeiten aus dem Jahr 2008 zu sehen. Die Fotografien sind innerhalb einer Serie mit dem Titel „Fluchtgedanken“ entstanden. Am Beginn dieser Serie 2006 stehen ausschließlich Landschaften und Feldwege im Mittelpunkt - 2008 variiert er das Thema dahingehend, das er den Eingriff des Menschen in die Natur zeigt und sich dem Thema Industriearchitektur und Industrielandschaft widmet. Wobei der Mensch, wie bei der Fotografie mit Bagger zu sehen ist, nicht in Erscheinung tritt. Die Technik scheint sich zu verselbstständigen, indem die Bewegungsabläufe des Baggers, erzeugt durch Doppelbelichtung, dargestellt werden. Da kein Mensch vorhanden ist, wird das Bild wird ausschließlich von der „Sache“ beherrscht, die zudem noch durch den suggerierten Bewegungsablauf intensiviert wird. Sven Abrahams Fotografien sind von einer mechanischen Wiedergabe der Form jedoch weit entfernt. Charakteristisches Merkmal ist die Verwendung eines weichen, so genannten malerischen Stils, der eine, wie es nur in der Fotografie möglich ist, absolut richtige Formwiedergabe, zusammen mit den fein abgestuften Hell-Dunkeltönen ermöglicht. Sven Abraham greift in seinen Arbeiten die Idee der „malerischen Kunstfotografie“ auf, wie sie der amerikanische Fotograf Edward Steichen (1879-1973) um die Jahrhundertwende perfektionierte.
Eva Podlesch / Kunsthistorikerin, Halle, 2008

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